Murphy oder Freud?

Im Prinzip war ich ja schon die ganze Woche neben den Schuhen. Angefangen hat es Montag Morgen, als mir um Viertel vor Zehn in den Sinn kam, dass der kleine Lieblingsmensch um Zehn beim Kinderarzt anzutanzen hatte. Es lohnt sich schon, ab und zu in die Agenda oder auf den Familienplaner, der direkt neben der Kühlschranktür hängt, zu schauen.

Nicht, dass ich aus dieser Lektion etwas gelernt habe. Neben diversen Widrigkeiten wie das Tanken zu vergessen und auf den letzten Schluck bei der teuersten Tanke des Kantons anzuhoppeln, waren meine letzten paar unzerstörten Gehirnzellen offenbar in der Lage, sich einen Termin von vorletzter Woche noch zu merken. Mit dem winzig kleinen Unterschied, dass er in dieser Woche bereits eine Stunde früher stattgefunden hätte. Hätte ich daran gedacht, in die Agenda zu schauen, dann hätte ich das sicher bemerkt! So aber rannte ich auf den letzten Drücker – ich hatte vorher noch kurz Zeit und fuhr in den Aldi, wo ich mich durch das Was-könnte-ich-noch-kaufen-Rayon wühlte bis ich wirklich, wirklich, wirklich rennen musste um meinen 15-Uhr-Termin noch zu schaffen – bei der Ärztin in die Praxis. Keuchend und schwitzend warf ich mich auf einen freien Stuhl, um sofort den Anschein zu erwecken, schon seit einer halben Ewigkeit relaxed zu warten. Erstaunt kam die Ärztin aus dem Untersuchungszimmer und erklärte meinem fassungslosen Unter-Ich, dass sie bereits eine Patientin hätte und dass sie sich Sorgen um mich gemacht hatte, als ich für meinen 14-Uhr-Termin nicht gekommen sei. Ob es mir gut gehe?

Verlegen sein kann ich!

Wenn ich in diesem Moment in den Boden hätte versinken können, dann wäre wohl der Kern des Planeten geschmolzen, so siedend heiss war mir plötzlich. So aber machte ich einen neuen Termin mit der Ärztin aus und da sie natürlich eine bekannte Koriphäe ist, die auch noch Skifahren gehen will, werde ich erneut mehrere Wochen lang auf einen neuen Termin warten dürfen und jedes einzelne Mal, wenn die Schulter schmerzt, werde ich mich an meine eigene Dämlichkeit erinnern und daran wachsen dürfen.

Nur, wem gebe ich jetzt die Schuld daran? Murphy oder Freud?