Als Frauen noch nicht an die Universität durften, war das alles noch einfacher

Das Leben war so viel einfacher, bevor Frauen an den Universitäten zugelassen wurden!

Wer damals „Student“ sagte, der meinte auch „Student“. Einen (meist jungen) Mann, der an einer Universität studierte. Studenten waren Studenten, Assistenten Assistenten und Professoren Professoren.

Kein Mensch musste darüber nachdenken, ob jetzt nur Männer oder Männer und Frauen gemeint waren, ob Männer gesagt und Frauen mitgemeint oder umgekehrt oder wie oder was.

Und dann kamen sie, Mitte des 19. Jahrhunderts, diese Mannsweiber und verlangten Zugang zu den Universitäten. Dass ihnen das 50 Jahre später auch gewährt wurde, war der Anfang vom Ende!

Studierende Weiber

Eigentlich hätten sie doch schon dankbar sein sollen, dass man sie überhaupt mitspielen lässt. Aber dann kamen sie und wollten auch noch mitbestimmen. Schlimmer noch: Es reichte ihnen nicht, dass sie mitspielen und mitbestimmen durften, jetzt wollen sie auch noch gesehen werden. Nicht nur gesehen, nein (!), sie wollen erwähnt werden.

Von da an wurde es richtig kompliziert. Man musste sogar die Reglemente umschreiben! Nicht mehr „Studenten“ sollte da stehen, wie sich das gehört, sondern „Studentinnen und Studenten“. Diese Papierverschwendung!

Aber wie das so war, nahmen sie Einwände ernst und suchten nach Lösungen. Das Binnen-I und andere Konstrukte waren zwar kurz, aber beleidigten das ästhetische Auge der Leser des besagten Reglemente. Denn wie jedes Kind weiss, sind Reglemente wahre Wunderwerke an Poesie und Sprachästhetik, die es selbstverständlich auch bei Überarbeitungen zu erhalten gilt.

Ach, sie haben noch nie ein Reglement gelesen und kennen auch niemanden, der das jemals getan hätte? Dass Sie da nur nichts verpassen!

Sprachliche Ästhetik, nicht etwa inhaltliche Korrektheit, hat höchste Priorität!

Aus diesem Grund, und auch um den intellektuellen Aufwand, den die redaktionelle Integration beider beteiligter Geschlechter, darstellt, auf ein Minimum zu reduzieren – wäre doch intellektuelles Transpirieren für die HerrenDamen Universitätsprofessorundinnen absolut un-zu-mut-bar! – beschloss man, sich auf ein einziges Geschlecht zu beschränken, und das andere in einer Fussnote zu erwähnen.

Alle waren es zufrieden.

Alle? Nein, ein paar unermüdliche Emanzen protestierten weiter aber keiner nahm sie ernst.

Das war aber nicht das Thema.

Ein neues Jahrtausend brach an und mit ihm kamen erneut viele Veränderungen. So kam es, dass an einer Universität im Osten Deutschlands das Reglement geändert werden musste.

Eine Ansammlung von fast achtzig älterer Herren und ein paar Damen erinnerte sich der Zeit des sozialen und sexuellen Aufbruchs von vor 50 Jahren, an dem sie damals beteiligt gewesen waren und sie wollten sich wieder einmal revolutionär-überschwenglich fühlen. Eigentlich war es ein Witz, ein blöder Spruch:

Zwei Emanzen sitzen im Restaurant.
Sagt die eine zur Anderen: Kannst du mir mal bitte die Salzstreuerin geben ?

Nein, das war es natürlich nicht. Aber hier:

Der Vorschlagstext der Grundordnungskommission, welcher dem Erweiterten Senat am 29.09.11 unterbreitet wurde, war mit Schrägstrich gegendert (beispielsweise stand dort Professor/innen). Auf die Beschwerde von Prof. xy, das Dokument sei so schwer lesbar, kam aus der Menge der eher lapidar formulierte Vorschlag, die Grundordnung doch im generischen Femininum zu verfassen, man habe keine Lust, sich mit der Debatte zu lange zu befassen und so sei wohl Aller Wünsche Rechnung getragen. Die Rektorin verstand diesen Vorschlag als Antrag und bot diesen dem Erweiterten Senat zur Abstimmung. Unter heiterem Gelächter wurde der Antrag mehrheitlich angenommen, woraufhin die Debatte um die inhaltlichen Punkte der Grundordnung fortgesetzt wurde.

Es handelte sich dabei um einen Vorgang von circa 10 Minuten in einer Grundordnungs-Debatte von mittlerweile fast zwei Jahren, während dessen eine inhaltliche Genderdebatte nicht einmal ansatzweise gestreift wurde.
(Quelle: Fakten rund um das generische Femininum in der Grundordnung der Uni Leipzig)

Das wars. Inklusive Abstimmung zehn Minuten.

Dann schrieb eine Studierendenzeitschrift einen so witzigen Beitrag über die besagte Sitzung, dass Spiegel Online den für eine Tatsache nahm, und die versammelte Weltpresse die vermeintliche Tatsache ohne nachzuprüfen oder eigene Recherche von dort aus weiter verbreitete (welche Zeitung schreibt eigentlich nicht bei SpOn ab?).

Und spätestens jetzt sind mir die humorigen Kommentare ausgegangen. Denn ich finde es echt bedenklich, denn es taucht wieder mal die Frage nach der journalistischen Sorgsfaltspflicht auf.

Ist es wirklich wichtiger, eine Story so schnell wie möglich rauszuhauen, als wenigstens schnell die Fakten zu prüfen?

Einerlei… Zurück zu den Fakten: Am einfachsten könnte das Problem umgangen werden, wenn wir den Frauen den Zugang zu den Universitäten wieder sperren würden. Denn die kriegen ja irgendwann sowieso Kinder und da sie dann sowieso zuhause bleiben – dafür sorgen wir schon! – ist ihre teure Ausbildung ja sowieso volkswirtschaftlicher Unsinn. Und überhaupt sind unsere jungen Männer an den Universitäten diskriminiert, da sie heute weniger als die Hälfte aller Studierenden ausmachen.

Und ohne Frauen an der Uni hätte sich das sprachliche Problem von selbst gelöst!

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Zum Weiterlesen:

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