Die Stümperin

Ich reite immer noch auf der Welle von Patricia Highsmith, obwohl ich weissgott besseres zu tun hätte, als mich mit alten Suspense-Romane zu beschäftigen. Handkehrum kann man nirgends so viel über Storytelling lernen, wie bei den grossen Meister*innen eines Genres.

Da ich immer noch an meinem stümperhaften Kinderkrimi sitze, müsste ich mich eigentlich mit Enid Blyton oder doch wenigstens Erich Kästner befassen, aber irgendwie möchte mein innerer Schweinehund das zur Zeit nicht.
Um wenigstens etwas Produktives zu tun, während ich mich mit unproduktiven Arbeiten wie dem Bügeln von Wäsche befasse, höre ich mir das Hörbuch der Unwiderstehlich bösen Frauen an. Hannelore Hoger und ihre Kolleginnen lesen Krimi-Geschichten. I like!

Unwiderstehlich böse Frauen

Unwiderstehlich böse Frauen

Wieso nicht mal ein Krimi?

writers at work

Schreiberlinge bei der Arbeit

Nachdem die Bedürfnisse des richtigen Lebens ™ meinen Kopf wochenlang mit Beschlag belegt hatte, feuert er jetzt im Minutentakt Ideen. Als ob er all die verpasste Schreibzeit nachholen müsste. . Aber natürlich kommen die Ideen während den praktischsten Momenten: Beim Prioritätchenhintern putzen beispielsweise oder während Letzeres mir am Bein hängt und „Mamaaaaaaaaaaaa mir ist laaaaaangweilig, will raaaaaaaaaadfahren gehen“ brüllt. Es ist ein Kreuz!

Suspense war bisher nicht so mein Thema, meine Muse schleppte mir immer diese emotionalen, aber spannungsarmen Familiendramen an. Aber seit ich Patricia Highsmit’s „Suspense“ am lesen bin – in Minutenstücklein auf dem Klo! – kommen mir ständig Ideen, wie sich besagte Familiendramen aufpeppen liessen. Es reisst mich mit aller Kraft zum Schreibtisch, ich wünschte mir zwei Wochen Schreibzeit am Stück, wo das Prioritätchen anderweitig versorgt wäre, aber natürlich würde ich dann auch nicht schreiben weil meine Gedanken bei ihm wären und all den verpassten Entwicklungsschritten.

„Wenn man nur alles haben könnte“, seufzte sie dramatisch und nahm noch einen Schluck von ihrem Milchkaffee.

Also die Ideenlosigkeit ist momentan zum Glück ganz und gar nicht das Problem. Jetzt fehlt nur noch die Zeit, um die Ideen vor dem jüngsten Gericht zu Papier bringen zu können. Aber heute bin ich für einmal sehr zuversichtlich, dass auch das noch kommen wird.

Highsmith: Suspense

Als ich neulich bei Denkzeiten über die Neuauflage von Highsmith’s „Suspense oder Wie man einen Thriller schreibt“ gelesen habe, musste ich mir natürlich sofort ein Exemplar bestellen. Heute ist es nach unendlicher Wartezeit von zwei Tagen endlich in meinem Briefkasten aufgeschlagen.

Die gute Neuigkeit ist: Es sieht aus, wie ein Buch von Diogenes (was es auch ist, mir gefällt deren zeitloses Design einfach vom Optischen her und aus diesem Grund haben Diogenesbücher mehre eigene Etagen an meiner sonst nach Genre und Autor/inn/en geordneten Bücherwand). Bei Diogenes müsste man unterkommen, dann wäre man wer im Buchgeschäft. Aber noch ist Katinka weit davon entfernt, an einen so renommierten Verlag überhaupt zu denken.

Jedenfalls lag die Highsmith heute in meinem Briefkasten. Wie soll ich sagen? Ich habe den Versandumschlag aufgerissen und sofort meine Nase in das Buch gesteckt. Neue Bücher riechen so fein. Der Duft nach frischem Buch verflüchtigt sich sehr schnell. Und deshalb muss ich Bücher immer als erstes mit der Nase aufsaugen. Dann blättere ich ein wenig hin und her, lese die Rückseite, den Klappentext, vielleicht das Vorwort, dann blättere ich zum Ende, schaue es mir sein Schriftbild an, aber ohne es zu lesen, freue mich und hoffe, dass es ein gutes Ende sein wird. Danach lese ich die Lesetipps und Buchbeschreibungen des Verlags auf den letzten paar Seiten und schnüffle zwischendurch immer wieder an den Seiten. Ja, all das tue ich, bevor ich überhaupt mit Lesen anfange. Ich freue mich erst mal richtig schön und schiebe den Moment, anzufangen, vor mir her. So koste ich so lange wie möglich von dem neuen Buch und geniesse das Gefühl, es zu haben, lesen zu dürfen und natürlich die Vorfreude auf den Text selber. Aber allein der Besitz eines neues Buches erfüllt mich mit Freude.

Eigentlich wollte ich über das Buch von Highsmith etwas schreiben und von Rechts wegen müsste ich damit ja auch schon durch sein. Schliesslich hat es nur gerade 165 Seiten Text – ein Nachmittag. Aber ein Nachmittag ohne Prioritätchen, ohne Besuch und ohne Verpflichtungen. Einfach im Garten auf dem Liegestuhl, Sonnenbrille und Eistee – und lesen, lesen, lesen.

Aber heute regnete es.

Also auch kein Liegestuhl und natürlich war dem Prioritätchen sterbenslangweilig.

So habe ich denn, statt mich der Lektüre hinzugeben, mich mit der Konstruktion einer Duplo-Autogarage beschäftigt, nicht ganz ohne Bedauern zwar, aber wann hat man schon die Wahl?

(die Neuauflage ist übrigens auch als E-Buch erschienen)