Introversion

In der heutigen Zeit könnte man fast meinen, Interversion sei ein Charakterfehler. Ich produziere mich nicht gerne vor Publikum. Ich lese oder schreibe lieber in Ruhe zuhause, statt an einem Volksfest herumzutollen und meine Probleme teile ich nicht mit jedem, sondern denke sie lieber in Ruhe durch und kommuniziere sie erst, wenn ich zu einer Schlussfolgerung gekommen bin.

So ist das eben bei introvertierten Menschen.

Das heisst aber nicht, dass ich asozial oder misanthropisch bin, auch nicht soziophob. Es bedeutet einfach, dass mich Stille oder Einsamkeit nicht stören, dass ich sie manchmal auch brauche.

Unsere Welt ist  nun aber auf Extroversion ausgelegt. Das Schulsystem, aber auch die Wirtschaft. Teamfähig muss man sein, nur wird darunter heute nicht grundsätzlich die Fähigkeit verstanden, mit anderen zusammenarbeiten zu können sondern sie verkommt zum Zwang, pausenlos mit anderen zusammenarbeiten zu müssen. Nun. Ich kann das nicht. Ich koordiniere mich lieber mit meinem Team – und ziehe mich für die Ausführung in mein Büro zurück, so ich in Ruhe, alleine, mich auf meine Arbeit konzentriere. Ich bin ein INTP. Wenn Dutzende von Leuten um mich herum reden, telefonieren, herumlaufen, kann ich meine Aufmerksamkeit nicht auf die Muster fokussieren, ich kann eine komplexe Situation niemals in dem Ausmass analysieren, wie ich das könnte, wäre ich alleine im Raum und hätte so viel Zeit zur Verfügung, wie die Analyse halt eben benötigt.

Nun, für viele scheint die Bedingung der Stille ein Handicap zu sein. Aber ehrlich, die Welt braucht nicht nur extrovertierte Rampensäue, sondern auch introvertierte Analytiker. Früher fühlte ich mich minderwertig, weil ich nicht nach vorne drängte wenn in Zirkus Freiwillige gesucht wurden. Aber das lag wohl eher daran, dass gewisse Familienmitglieder mir das Gefühl gaben, dass es wünschenswerter gewesen wäre, dort oben auf der Bühne zu stehen.

Aber das Leben hat mich gelehrt, dass ich selber lieber hinter der Bühne stehe und das Schreibe, was dort gezeigt wird. Gerne in Zusammennarbeit mit jemanden, nebeneinander in dieselbe Richtung schauend oder hintereinander am gleichen Strick ziehend. Aber zwischendurch allein, das muss einfach sein, damit mir wohl ist in meiner Haut.

Love it or leave it!

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Der Artikel, der mich auf das Thema gebracht hat: Why Paying Attention to Introverts Matters.