Die Frau mit dem Hut

Jahrelang trug ich diesen mir zu grossen, schwarzen Hut.

Ich kaufte ihn in dem kleinen Second-Hand-Laden in der Nähe des Bahnhofes, an dem ich jeden Morgen auf dem Weg ins Gymnasium ausstieg. Er war mir zu gross aber ich hoffte, reinwachsen zu können. Denn ich liess mir ja die Haare wachsen. Fünf lange Jahre lang nahm ich mir täglich vor, die Haare wachsen zu lassen. Was natürlich nicht klappte.

Aber der Hut tat mir gut. Er wurde bald zu meinem Markenzeichen. Ich sah vielleicht nicht gut aus, aber ganz sicher geheimnisvoll. Manche Jungs schauten mir nach. Ich zog den Hut nicht mehr aus, weder zum Unterricht noch beim Essen.

An manchen Tagen, an denen ich mich fröhlich fühlte, mochte ich manchmal sogar ein buntes Tuch um den Hut wickeln, so dass es aussah, wie ein farbiges Band. Nicht gerade, was normale Leute unter fröhlich verstehen würden: „Mein Normal ist Dein Beschissen“, dachte ich in jenen Tagen, wenn mich jemand anzulächeln versuchte. Und blieb deprimiert. Schlechte Laune als Krücke, um jeden Tag aufzustehen und der Welt die Stirne zu bieten.

Was anderes blieb mir ja nicht übrig.

Ich trug meinen schwarzen Hut mit dem schwarzen Band oder an manchen Tagen auch dem blauen Band, schminkte meine Augen schwarz und meine Lippen dunkelrot. Und war stolz. Und stark.

Keiner sah jemals mehr das Mädchen mit der Glatze.

Und keiner sah mich jemals mehr weinen.