Introversion

In der heutigen Zeit könnte man fast meinen, Interversion sei ein Charakterfehler. Ich produziere mich nicht gerne vor Publikum. Ich lese oder schreibe lieber in Ruhe zuhause, statt an einem Volksfest herumzutollen und meine Probleme teile ich nicht mit jedem, sondern denke sie lieber in Ruhe durch und kommuniziere sie erst, wenn ich zu einer Schlussfolgerung gekommen bin.

So ist das eben bei introvertierten Menschen.

Das heisst aber nicht, dass ich asozial oder misanthropisch bin, auch nicht soziophob. Es bedeutet einfach, dass mich Stille oder Einsamkeit nicht stören, dass ich sie manchmal auch brauche.

Unsere Welt ist  nun aber auf Extroversion ausgelegt. Das Schulsystem, aber auch die Wirtschaft. Teamfähig muss man sein, nur wird darunter heute nicht grundsätzlich die Fähigkeit verstanden, mit anderen zusammenarbeiten zu können sondern sie verkommt zum Zwang, pausenlos mit anderen zusammenarbeiten zu müssen. Nun. Ich kann das nicht. Ich koordiniere mich lieber mit meinem Team – und ziehe mich für die Ausführung in mein Büro zurück, so ich in Ruhe, alleine, mich auf meine Arbeit konzentriere. Ich bin ein INTP. Wenn Dutzende von Leuten um mich herum reden, telefonieren, herumlaufen, kann ich meine Aufmerksamkeit nicht auf die Muster fokussieren, ich kann eine komplexe Situation niemals in dem Ausmass analysieren, wie ich das könnte, wäre ich alleine im Raum und hätte so viel Zeit zur Verfügung, wie die Analyse halt eben benötigt.

Nun, für viele scheint die Bedingung der Stille ein Handicap zu sein. Aber ehrlich, die Welt braucht nicht nur extrovertierte Rampensäue, sondern auch introvertierte Analytiker. Früher fühlte ich mich minderwertig, weil ich nicht nach vorne drängte wenn in Zirkus Freiwillige gesucht wurden. Aber das lag wohl eher daran, dass gewisse Familienmitglieder mir das Gefühl gaben, dass es wünschenswerter gewesen wäre, dort oben auf der Bühne zu stehen.

Aber das Leben hat mich gelehrt, dass ich selber lieber hinter der Bühne stehe und das Schreibe, was dort gezeigt wird. Gerne in Zusammennarbeit mit jemanden, nebeneinander in dieselbe Richtung schauend oder hintereinander am gleichen Strick ziehend. Aber zwischendurch allein, das muss einfach sein, damit mir wohl ist in meiner Haut.

Love it or leave it!

~~|~~

Der Artikel, der mich auf das Thema gebracht hat: Why Paying Attention to Introverts Matters.

Advertisements

Die Stümperin

Ich reite immer noch auf der Welle von Patricia Highsmith, obwohl ich weissgott besseres zu tun hätte, als mich mit alten Suspense-Romane zu beschäftigen. Handkehrum kann man nirgends so viel über Storytelling lernen, wie bei den grossen Meister*innen eines Genres.

Da ich immer noch an meinem stümperhaften Kinderkrimi sitze, müsste ich mich eigentlich mit Enid Blyton oder doch wenigstens Erich Kästner befassen, aber irgendwie möchte mein innerer Schweinehund das zur Zeit nicht.
Um wenigstens etwas Produktives zu tun, während ich mich mit unproduktiven Arbeiten wie dem Bügeln von Wäsche befasse, höre ich mir das Hörbuch der Unwiderstehlich bösen Frauen an. Hannelore Hoger und ihre Kolleginnen lesen Krimi-Geschichten. I like!

Unwiderstehlich böse Frauen

Unwiderstehlich böse Frauen

Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur, so habe ich heute Vormittag gelesen, Kinder- und Jugendliteratur muss ein Thema haben.Es geht um Rechtsradikalismus, Gewalt, Mobbing oder erster Sex, Essstörungen oder Behinderungen. Tausend Themen sind möglich, oder mehr. Nur eines nicht: Reine Unterhaltung.

Offenbar ist es zur Zeit nicht möglich, einfach nur Geschichten und Bücher zu veröffentlichen, die an eine junge Leserschaft gerichtet sind und nicht irgend welche schweren Probleme wälzen.

So alt bin ich noch nicht, ich kann mich schon noch an meine eigene Jugend erinnern: Sie war voller Probleme! Liebeskummer, Zwangsstörung, Zoff mit den Eltern und der älteren Schwester, es war immer irgend etwas. Als würde ich Geld dafür bekommen habe ich Tagebücher vollgeschrieben, drei, vier oder fünf Seiten täglich, ununterbrochen die grossen prä-, para- und postpubertären Themen von Liebe, Verlust, Einsamkeit und Sehnsucht, schmalzig aufbereitet, heute entlocken mir die Texte ein feines Lächeln aber an den Schmerz kann ich mich noch gut erinnern, er ist eingebrannt.

Was habe ich mich damals danach gesehnt, dass jemand meine Gedanken ernst nehmen würde.

Von dem her ist es ja schön, dass es nun die ganze problemwälzende Jugendliteratur gibt. Nur löst dies natürlich auch nicht das Problem der Vereinsamung von Jugendlichen, denn Bücher sind gut und recht, aber die Geschichten darin sind und bleiben Geschichten – nicht real. Und sie können die dringend benötigten Beziehungen zu wohlwollenden Erwachsenen nicht ersetzen, die auch mal einen Rat erteilen oder Orientierung geben ohne zu werten, ohne zu verurteilen.

Echte Beziehungen, zu richtigen Menschen!

Beim Lesen jedoch wollte ich unterhalten werden. Ich wollte in ferne Länder reisen, Abenteuer erleben, Alanna von Trebond sein, oder wen es sonst noch so gab Ganz sicher wollte ich mich ablenken lassen und nicht beim Lesen auch noch dieselben Probleme wälzen, die meinen Alltag bestimmten!

Deshalb frage ich mich, wer heute die Jugendbücher schreibt, die einfach nur begeistern und unterhalten. Gibt es sie noch?

Wieso nicht mal ein Krimi?

writers at work

Schreiberlinge bei der Arbeit

Nachdem die Bedürfnisse des richtigen Lebens ™ meinen Kopf wochenlang mit Beschlag belegt hatte, feuert er jetzt im Minutentakt Ideen. Als ob er all die verpasste Schreibzeit nachholen müsste. . Aber natürlich kommen die Ideen während den praktischsten Momenten: Beim Prioritätchenhintern putzen beispielsweise oder während Letzeres mir am Bein hängt und „Mamaaaaaaaaaaaa mir ist laaaaaangweilig, will raaaaaaaaaadfahren gehen“ brüllt. Es ist ein Kreuz!

Suspense war bisher nicht so mein Thema, meine Muse schleppte mir immer diese emotionalen, aber spannungsarmen Familiendramen an. Aber seit ich Patricia Highsmit’s „Suspense“ am lesen bin – in Minutenstücklein auf dem Klo! – kommen mir ständig Ideen, wie sich besagte Familiendramen aufpeppen liessen. Es reisst mich mit aller Kraft zum Schreibtisch, ich wünschte mir zwei Wochen Schreibzeit am Stück, wo das Prioritätchen anderweitig versorgt wäre, aber natürlich würde ich dann auch nicht schreiben weil meine Gedanken bei ihm wären und all den verpassten Entwicklungsschritten.

„Wenn man nur alles haben könnte“, seufzte sie dramatisch und nahm noch einen Schluck von ihrem Milchkaffee.

Also die Ideenlosigkeit ist momentan zum Glück ganz und gar nicht das Problem. Jetzt fehlt nur noch die Zeit, um die Ideen vor dem jüngsten Gericht zu Papier bringen zu können. Aber heute bin ich für einmal sehr zuversichtlich, dass auch das noch kommen wird.

Highsmith: Suspense

Als ich neulich bei Denkzeiten über die Neuauflage von Highsmith’s „Suspense oder Wie man einen Thriller schreibt“ gelesen habe, musste ich mir natürlich sofort ein Exemplar bestellen. Heute ist es nach unendlicher Wartezeit von zwei Tagen endlich in meinem Briefkasten aufgeschlagen.

Die gute Neuigkeit ist: Es sieht aus, wie ein Buch von Diogenes (was es auch ist, mir gefällt deren zeitloses Design einfach vom Optischen her und aus diesem Grund haben Diogenesbücher mehre eigene Etagen an meiner sonst nach Genre und Autor/inn/en geordneten Bücherwand). Bei Diogenes müsste man unterkommen, dann wäre man wer im Buchgeschäft. Aber noch ist Katinka weit davon entfernt, an einen so renommierten Verlag überhaupt zu denken.

Jedenfalls lag die Highsmith heute in meinem Briefkasten. Wie soll ich sagen? Ich habe den Versandumschlag aufgerissen und sofort meine Nase in das Buch gesteckt. Neue Bücher riechen so fein. Der Duft nach frischem Buch verflüchtigt sich sehr schnell. Und deshalb muss ich Bücher immer als erstes mit der Nase aufsaugen. Dann blättere ich ein wenig hin und her, lese die Rückseite, den Klappentext, vielleicht das Vorwort, dann blättere ich zum Ende, schaue es mir sein Schriftbild an, aber ohne es zu lesen, freue mich und hoffe, dass es ein gutes Ende sein wird. Danach lese ich die Lesetipps und Buchbeschreibungen des Verlags auf den letzten paar Seiten und schnüffle zwischendurch immer wieder an den Seiten. Ja, all das tue ich, bevor ich überhaupt mit Lesen anfange. Ich freue mich erst mal richtig schön und schiebe den Moment, anzufangen, vor mir her. So koste ich so lange wie möglich von dem neuen Buch und geniesse das Gefühl, es zu haben, lesen zu dürfen und natürlich die Vorfreude auf den Text selber. Aber allein der Besitz eines neues Buches erfüllt mich mit Freude.

Eigentlich wollte ich über das Buch von Highsmith etwas schreiben und von Rechts wegen müsste ich damit ja auch schon durch sein. Schliesslich hat es nur gerade 165 Seiten Text – ein Nachmittag. Aber ein Nachmittag ohne Prioritätchen, ohne Besuch und ohne Verpflichtungen. Einfach im Garten auf dem Liegestuhl, Sonnenbrille und Eistee – und lesen, lesen, lesen.

Aber heute regnete es.

Also auch kein Liegestuhl und natürlich war dem Prioritätchen sterbenslangweilig.

So habe ich denn, statt mich der Lektüre hinzugeben, mich mit der Konstruktion einer Duplo-Autogarage beschäftigt, nicht ganz ohne Bedauern zwar, aber wann hat man schon die Wahl?

(die Neuauflage ist übrigens auch als E-Buch erschienen)

Nachtrag zu den Klassikern

Vorhin habe ich ja geschrieben, wie ich mir momentan all die Klassiker der Literaturgeschichte reinziehe. Dabei ist mir aufgefallen, dass sich darunter so gut wie keine Frauen befinden. Wo bleiben sie denn, die grossen Klassikerinnen der Literaturgeschichte? Mary Shelley, Jane Austen, Emily Brontë, Hedwig Dohm… und wie sie alle heissen gehören doch von Rechts wegen genau so in diese illustre Gesellschaft, wie der alte misogynist Nietzsche!

Die Klassiker und ich

Ich kann mich nicht erinnern, je aus dem Haus gegangen zu sein, ohne Lesestoff in der Handtasche oder dem Rucksack. Ich las alles, aber am liebsten Fantasyromane und leichte Unterhaltungsliteratur. Alles, ausser die Klassiker. Mein 18jähriges Ich weigerte sich partout, die alten Klassiker zu lesen. Damals, auf dem Gymnasium, gab es ein einziges Buch, das ich für den Deutschunterricht las: Kindlers Literatur Lexikon. Um die Orignale in ihrer (aus der Sicht einer 18jährigen der 1980er Jahre) holperig-mühsamen Sprache zu lesen, hätte ich zu viel meiner Lebenszeit hingeben müssen, die ich (wiederum aus der Sicht einer 18jährigen der 1980er Jahre) besser mit Bier trinken und im Aarepark beim Camping Eichholz mit den Kumpels abhängen verbrachte.

So war das damals. Top Gun, Dirty Dancing, Zigaretten rauchen als gäbe es kein Morgen und die Gurten Brauerei produzierte noch echtes Bier und nicht die Plörre aus Rheinfelden…  Lange Musik und laute Haare… und wer erinnert sich noch an Pacman und die ersten Text-Adventures? Dafür lernte sogar ich Englisch! Aber das hier soll jetzt nicht in ein nostalgisches Geweine ausarten…!

Jedenfalls interessierte sich in unserer Klasse keine Sau für die grossen Klassiker der Weltliteratur und die weinerliche deutsche Nachkriegsliteratur riss auch keinen vom Hocker. Wir bereiteten uns auf die technisch-naturwissenschaftliche Matura vor und der PC war eben knapp erfunden worden. Handys gab es schon, sie hiessen „Nationales Auto Telefon“ (Na-Tel) und wurden in einem Koffer transportiert. Ein Klassenkamerad, Jan hiess er glaub, hatte technikaffine Eltern mit dazu passendem Budget und er brachte gerne die neuesten Spielsachen mit. In eines der letzten Skilager vor der Matur brachte er einen portablen Computer, einen Laptop, mit. Ein Riesending, das eine halbe Tonne wog, aber es hatte die geilsten, fortschrittlichsten Spiele drauf, die man sich zum damaligen Zeitpunkt vorstellen konnte. Grafische Umsetzungen der Olympischen Spiele und es gab Winter Games und Summer Games.

Anyway, ich wollte eigentlich keine Geschichten aus dem Krieg erzählen.

Die Klassiker der Weltliteratur, genau.

Also, die interessierten uns einfach nicht. Unsere Begeisterung ging so weit, dass unser Deutschlehrer Vier-Gewinnt-Spiele in der Klasse verteilte, um störungsfrei unterrichten zu können. Der Französischlehrer machte es ein wenig besser: Er wich von der hohen Literatur ab und ging zum französischen Kunstcomic über. Da gibt es ja so einiges, was 18jährige zu begeistern vermag. Und die französischen Küche, Wein und Käse. So lässt es sich gut Französisch lernen.

Ich könnte noch lange so weiter erzählen, und später werde ich sicher auch mal darauf zurückkommen, aber heute wollte ich eigentlich über meine neu – oder überhaupt – erwachte Begeisterung für die grossen literarischen Werke der deutschen und englischen Sprache berichten. Seit ich selber schreibe fällt mir nämlich mehr und mehr auf, welch grosser Mist da auf dem Buchmarkt sich herumtümmelt und wenn etwas mit „Bestseller“ angeschrieben ist, kann man fast sicher darauf zählen, dass es sich um eine zähfädige, mit Plattitüden und Wiederholungen angeschwollene Geschichte handelt, deren Qualität kaum erträglich ist und die sich nur und wirklich nur deshalb überhaupt verkauft, weil der Verlag gross „Bestseller“ darauf geschrieben hat und weil die Menschen wie Lemminge funktionieren und davon ausgehen, dass wenn ganz viele etwas kaufen, dies für dessen Qualität spräche. Was natürlich keine Zwangsläufigkeit ist.

Aber item. Ich war also neulich in der beklemmenden Lage, nichts zum Lesen zu haben (letzteres ist selbstverständlich metaphorisch gemeint, ich habe mehrere Laufmeter Bücherschränke, aber das tut nichts zu Sache wenn man gerade keine Lust hat, etwas daraus wieder zu lesen).  Mehrere Fehlkäufe bei Neuerscheinungen – und es ist wirklich selten, dass ich Bücher nach wenigen Seiten weglege weil ich sie nicht zum Aushalten finde, ich lesen sonst jeden Mist! – haben mich vorsichtig werden lassen.

Und da geschah es, dass mir eine Freundin davon erzählte, dass es im Kindle Shop bei Amazon kostenfrei die grossen Klassiker der Weltliteratur gäbe. Logisch, wie ich nun mal bin, dachte ich mir: „wenn die so lange überlebt haben, werden sie etwas weniger grottig sein als der übliche Mist auf dem Büchermarkt“.

Und dann blieb ich hängen. Artur Schopenhauer habe ich mir runtergeladen, Mark Twain und Jules Verne. Dann entdeckte ich Edgar Wallace und Oscar Wilde, Andersen und Morgenstern. Und nun bin ich auf ewig verloren, denn bis ich meinen Rückstand bei den Klassikern aufgeholt haben werde, werden etwa 30 Jahre vergehen und statistisch gesehen ist es unwahrscheinlich, dass ich mit über 70 noch selber Bücher schreiben werde. Nun, wir werden sehen. Aber bis dahin amüsiere und instruiere ich mich mithilfe der Kostenlosen Klassiker bei Amazon.