Wer hat „regelmässige Schreibzeit“ gerufen?

An der Motivation mangelts ja nicht, wenn ich mit meinen Projekten nicht vorwärts komme. Den halben Tag verbringe ich damit zu denken „lieber als wasichjetztgeradetunmuss wäre ich jetzt am Schreiben„.

Aber wie es so ist, der Alltag ruft laut und klar „Willkommen Prinzessin im richtigen Leben! Hör auf zu träumen und geh mit dem Kleinen an die frische Luft„. Da kann man mit seinem Schicksal hadern: Das Prioritätchen kommt einfach immer zuerst.

Ja nun. Da kann man nichts machen. Trotzdem versuche ich seit über drei Jahren, dagegen anzugehen. Natürlich nicht gegen das Prioritätchen, das war ja durchaus gewünscht. Aber durch bessere Teamarbeit mit Prioritätchens Vater und bessere Organisation, so dachte ich naiverweise, müsste es doch möglich sein, regelmässig jeden Tag mindestens eine halbe, lieber noch eine ganze Stunde rauszuschlagen.

Das sieht dann so aus, dass meine „halbe Stunde jeden Tag“ irgendwann zwischen Morgens um 6 und Morgens um 2 stattfindet, je nach Propritätenlage des Herrn Kindsvaters. Ohne dessen Unterstützung und mit einem Dreijährigen der Backe ist es schlicht unmöglich, jeden Tag genau um dieselbe Zeit einer bestimmten Tätigkeit nachzugehen.

Lange hat mich das auch nicht so belastet. Aber unterdessen hat sich herauskristallisiert, dass der Dreijährige besser mit meinem Bedürfnis nach regelmässiger Schreibzeit kompatibel ist, als der Vierzigjährige und diese Feststellung – ja, die belastet mich sehr!

So viele „massenproduzierende“ Autoren hatten eine Frau, die ihnen den Rücken frei hielt, die Infrastruktur bereitstellte und die Kinder beschäftigte. Die haben also gut reden, wenn sie von mehrwöchigen Schreibräuschen berichten! Schaut man sich bei den Autorinnen um, sieht es düster aus. Viele Möglichkeiten haben sie nicht:

  • entweder haben sie gar keine Kinder
  • oder sie haben sich schlauerweise einen reichen Mann geangelt und können sich Nanny und Haushälterin leisten
  • oder sie warten mit dem Schreiben, bis die Kinder erwachsen sind
  • oder sie machen es wie Marion Zimmer-Bradley und stehen jeden Tag morgens um drei auf, um zwei bis drei Stunden rausschlagen zu können, bevor die Kinder aufstehen.

Nichts davon passt zu mir!

Und nun?

Da bleibt mir nur, weiter zu wurschteln und mich hier von Zeit zu Zeit lauthals darüber zu beklagen, keine Zeit zum Schreiben zu finden. Der Roman kommt dann halt etwas später…

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Nichts geschrieben

Es gibt Menschen, die können den ganzen Tag schreiben, eine Tastatur bedienen, ganz viele Buchstaben produzieren – aber trotzdem nichts Sinnvolles schreiben.

Also nichts Sinnvolles für die Literatur, versteht sich.

Ein paar Online-Beratungen, ein Werbetext, zig E-Mails und ein paar Werbebriefe für den eigenen Laden. Das war’s dann schon.

Der Höhepunkt aber war die eine Geschichte, die ich heute von der Lektorin zurück erhalten habe. Die Idee gefiel ihr, das Thema auch. Die Umsetzung nicht. Keine Spannung, schlecht geschrieben, zuwenig Konflikte, zuwenige Andeutungen, und überhaupt die Motivation der Protagonistin… Aber sonst ganz ok. Nur nicht brauchbar. So nicht.

Was soll ich damit jetzt anfangen? Schublade? Überarbeiten? Zurück auf Start?

Wieso kann die Frau nicht einmal im Leben sagen „gut gemacht, toll gemacht, eine wunderbare Geschichte mit wunderbaren Charakteren wunderbar umgesetzt“?

Weil sie dann ihr Geld nicht wert wäre!

Ein schöner Trost…

Donnerstage sind Arbeitstage

Eigentlich hätte ich heute Mailings und Werbebriefe für meine Firmen verschicken sollen. Irgend wann möchte man ja damit auch richtig viel Geld verdienen. Aber wie es so ist im Leben, war heute mein erster freier Tag Arbeitstag seit Wochen.

Ihr wisst es ja selber: An solchen Tagen ist man selten produktiv. Wenn ich es mir recht überlege, habe ich aber schlussendlich, trotz wunderschönem Frühlingstag, doch noch einiges geschafft (Fenster putzen, Betten frisch beziehen, Staub saugen, 3 Maschinen Wäsche waschen, aufhängen und wegräumen, abwaschen und feucht aufwischen zähle ich nicht mit, denn eigentlich dürfte ich mich an einem teuer bezahlten Arbeitstag nicht mit solchen Kinkerlitzchen aufhalten. Aber wenn’s einem vom Arbeiten abhält, weil die Staubmäuse unterdessen auf dem überfüllten Schreibtisch Tango tanzen, dann bleibt einer ja fast nichts anderes übrig, als mal den Sauger zu schwingen. Geschadet hat es keinesfalls!)

Nun, nachdem die paar Sachen schnell erledigt waren, musste ich natürlich eine Blitzpause einlegen und Kaffee trinken. Mark Twain wusste mich mit A Connecticut Yankee in King Arthur’s Court so mit Beschlag zu belegen, dass ich fast vergass, dass ich ja heute für die kulinarischen Bedürfnisse unserer eheähnlichen Gemeinschaft verantwortlich war. Zum Glück lässt mich der Tiefkühler selten im Stich, so konnte ich das Mittagessen ohne grössere Blamage hinter mich bringen und konnte es zudem vermeiden, die Tageskosten durch einen Besuch im benachbarten Fischrestaurant weiter in die Höhe zu treiben.

füsse am flussNachmittags dann disloszierte ich in den sonnigen Garten und ging bei der selben Gelegenheit von Kaffee zu Cappuccino über. Nun meditierte ich unter den Büschen am Rande des Flüsschens, das an meinen Garten angrenzt und testete, ob sich Unkraut gegebenenfalls auch telekinetisch entfernen liesse. Weitere Studien werden jedoch nötig sein, um eine wissenschaftlich haltbare Schlussfolgerung publizieren zu können.

Nun denn, im angrenzenden Garten spielten und schwatzten Kinder verschiedener Altersstufen. Mit schlaftrunkenem Blick spitzte ich die Ohren und erlauschte, dass die darüber rätselten, wohin Nachbars Kaninchen verschwunden sein möge.

„Kochtopf“, dachte ich müde.

Und während ich für fremde Blicke offensichtlich vor mich hindämmerte, entstand in meinem Kopf ein Kriminalroman für Kinder, über ein verschwundenes Kaninchen und fünf Kinder, die sich auf die Suche nach ihm machten, und nachdem sie es gefunden hatten, den Dieb überlisteten, in seiner gerechten Strafe zuführten und das Kaninchen retteten.

So war der Tag schlussendlich doch noch produktiv.

Selbstzweifel

Super. Selbstzweifel sind ja mal ein tolles Thema für jemanden, der voller Elan ein neues Blog startet.

Aber mal ehrlich: Wer kennt die nicht? Die fiesen Typen lauern überall, hinter jedem Absatz und hinter jeder Geschichte sowieso.

„Ist das gut genug?“

„Sowas will doch eh keiner lesen“.

„Das ist schlecht geschrieben“.

„Alle anderen können besser schreiben, als ich“.

„Nur meine Sätze tönen so gestelzt“.

„…“

Ich bin fast sicher, dass ich nicht die Einzige bin, die so über ihre eigenen Texte denkt. Aber trotzdem überkommt es mich immer wieder.

Diese Woche hatte ich einen Artikel für ein Onlineportal eingesandt. Das Feedback der zuständigen Redakteurin lautete „spitze!“ Und wisst Ihr, was ich Totsch mache? Ich hintersinne mich, wie sie das wohl gemeint haben könnte. Echt jetzt!

Als dringende Gegenmassnahme habe ich mir „Warm Hugs For Writers“ von Larry Brooks auf den E-Reader gesaugt. Mal schauen, ob das Buch hält, was es verspricht. Es soll ja sehr aufmunternd sein für Leute wie mich.